Warum ich einen Helm trage?

Fahrradhelm

Ich fahre persönlich nur mit Fahrradhelm, bin aber grundsätzlich gegen eine Helmpflicht und halte das durchaus nicht für einen Widerspruch! In diesem Beitrag möchte ich beschreiben, warum ich nur mit Helm fahre, eine Pflicht aber für falsch halte.Ein Helm hinterlässt – gerade in der Anfangszeit – doch ein sehr störendes Gefühl auf dem Kopf. Man braucht seine Zeit sich an ihn zu gewöhnen. Dabei geht es meist nicht um den Helm selber, auch der Kinnriemen ist nicht wirklich angenehm. Sitzt der Helm aber nicht fest, hilft er im Notfall auch nicht.

Alles Gründe, die ich durchaus nachvollziehen kann. Ich habe auch genug „Studien“ pro und contra Helm gelesen. Welcher Studie man jetzt Glauben schenken darf, muss am Ende jeder selber entscheiden.

Ich und mein Fahrradhelm…

Fakt ist: Zwingt man die Leute einen Helm zu tragen, fährt der Großteil lieber gar kein Rad.

Ich persönlich sage: Bis zu einer gewissen Geschwindigkeit kann ich das durchaus nachvollziehen. Sehe ich die überwiegenden „Gemütlichkeits-Radler“ – und das meine ich in keiner Form despektierlich! -, welche lediglich mit 10 bis zu 15 km/h den Weg entlang radeln, kann ich die Entscheidung keinen Helm zu tragen durchaus nachvollziehen. Ich jedoch fahre überwiegend schneller als 20 km/h, wenn es möglich ist sogar bis zu 35 km/h (nein, ich habe kein E-Bike).

Natürlich macht es keinen Unterschied, ob ein Radfahrer mit 10 oder 25 km/h seitlich von einem motorisierten Fahrzeug erfasst und überfahren wird. Da haben wir im Zweifel je nach Fahrzeug beide keine Chance, aber darum geht es meiner Meinung nach nicht.

Vorderrad meines alten Fahrrads nach einem Überschlag

Ich fahre jetzt seit 7 Jahren tag täglich bei Wind und Wetter mit dem Fahrrad. Mindestens morgens mit dem Rad knapp 7 Kilometer zur Arbeit und abends dann auch wieder zurück. Bei schönem Wetter auf dem Rückweg dann auch gerne mit Umwegen bis zu 25 Kilometer. Dann fahre ich aber nicht um mir die Gegend anzuschauen, dann will ich den Kreislauf in Schwung bringen und die Beine dürfen dann auch ruhig ein wenig „brennen“.

In den 7 Jahren hatte ich drei Unfälle, die jedoch alle ohne fremden Einfluss „irgendwie“ zustande gekommen sind. Das bedeutet, entweder ich war allein oder wollte einen Unfall mit einem anderen Teilnehmer verhindern. Egal wie, am Ende landete ich (meist unsanft) auf dem Boden. Zumindest beim Überschlag mit knapp über 25 km/h war ich froh den Helm getragen zu haben, hat er doch schlimmeres verhindert.

Mittlerweile habe ich mich so an den Helm gewöhnt, dass ich grundsätzlich nicht ohne fahre, auch bei den langsameren Touren nicht.

Auf den Punkt gebracht: Ich trage den Helm auf Grund der Geschwindigkeit, mit der ich fahre.

Dennoch finde ich, sollte es jedem Radler selber überlassen werden, ob er einen Helm tragen will oder nicht. Die Gefahr geht in 98% der Unfälle nicht vom Radfahrer aus, er ist meist nur der leidtragende, wenn es zur Konfrontation im Straßenverkehr kommt.

Aussagen wie: „Hättest Du einen Helm getragen, wären die Verletzungen nicht so schlimm gewesen!“ kann man natürlich treffen, aber hier wird dem Opfer die „Schuld“ gegeben, auch wenn es am Unfall selber ggf. gar keine Schuld hatte!

Liebe Autofahrer, es gibt Einbahnstraßen, die sind für Radfahrer in beide Richtungen freigegeben.

Noch ein Beispiel: Zuletzt wollte mir ein Kraftfahrer „Verkehrserziehung“ angedeihen lassen, als er mir in einer Einbahnstraße entgegen gekommen ist. Erst wenige Meter vor mir zog er in der sowieso engen Straße „so weit es ging“ an den anderen Rand, zeigte mir mit Handzeichen aber sehr deutlich, was er davon gehalten hat, mich hier anzutreffen. Was der „nette“ Fahrer bei Einfahrt in die Einbahnstraße jedoch übersehen hatte war, dass diese für Radfahrer in beide Richtungen freigegeben ist!

Fazit:
Es sind Situationen wie diese, warum ich entschieden habe einen Helm zu tragen. Dabei ist mir in den letzten Jahren nichts passiert und so extrem kommt es auch nicht häufig vor – zum Glück. Mir ist ebenfalls bewusst, dass „Gelegenheitsradler“ Situationen wie diese meiden und deswegen auf dieser Straße und in Gegenrichtung aus Angst erst gar nicht fahren würden.

So viel zu mir, aber was ist jetzt mit der Helmpflicht? Nun, ich denke dass die Helmpflicht das Problem nicht löst. Es wird nicht mehr oder weniger Unfälle geben, wenn ein Radfahrer einen Helm trägt. Deswegen sollte es auch dem Radfahrer überlassen werden, ob er einen Helm tragen will, oder eben nicht.

Wir werden das „Problem“ durch einen Helm nicht lösen. Dafür benötigen wir Lösungen, die auf Radfahrer „abgestimmt“ sind! Protected Bikelanes können eine Lösung sein, aber machen wir uns nichts vor, es gibt nicht überall den Platz dafür. Ein wenig Farbe auf den Asphalt zu kippen löst das Problem aber auch nicht, wie das Beispiel einer Kreuzung in Berlin aktuell zeigt. Aber wir müssen gar nicht so weit weg schauen.

Die 1. Fahrradstraße in Mönchengladbach – die Blaue Route – von den Vertretern der Stadt als Erfolg gefeiert, zeigt fast täglich, dass selbst auf der Fahrradstraße die Radfahrer vom Kraftverkehr bedrängt und beschimpft werden. Und die Radfahrer, die nicht in der Mitte der Fahrbahn fahren, werden(!) einfach ohne Sicherheitsabstand überholt und ggf. an den Seitenrand und die parkenden Auto gedrängt.

Solange in den Köpfen kein Umdenken stattfindet und bauliche Maßnahmen den Radverkehr nicht „schützen“, wird es immer wieder Unfälle geben, egal ob mit oder ohne Helm.

Und „Ja“, mir persönlich sind Radfahrer, die mir auf der falschen Seite entgegenkommen lieber, als Kraftfahrzeuge, denn bei den Erstgenannten, habe ich eine „Chance“…

0

Autor: Stefan

Ich befinde mich auf keinem Kreuzzug! Für mehr Respekt und Miteinander!

3 Gedanken zu „Warum ich einen Helm trage?“

  1. Mahlzeit,

    bin hier voll bei Dir.
    Eine Helmpflicht würde nichts bringen, außer dass weniger Menschen mit dem Rad fahren.

    Mein Arbeitsweg ist knapp 25km, also gut 50km am Tag mit dem Rad, aber hier trage ich keinen Helm, obwohl ich schon dann und wann darüber nachgedacht habe. Aber hier versuch eich Unfälle durch die geplante Strecke und entsprechendes Fahren.
    Aber wenn ich auf das Rennrad steige, dann nicht ohne Helm, genau wie seiner Zeit aufs MTB.

    0
  2. Das entspricht genau meiner Meinung. Eine Helmpflicht würde eher weniger Menschen dazu animieren auf’s Rad zu steigen.
    Früher war ich auch ohne Helm unterwegs. Aber mittlerweile fahre ich immer mit Helm, außer es geht gerad fix zum Friseur um die Ecke.
    Was mir jedoch auffällt, sind viele ältere Radfahrer, die einen schlecht sitzenden Helm tragen.
    Definitv würde eine bessere Infrastruktur das Radfahren sicherer machen. Aber hier sehe ich das Autoland Deutschland immer noch ganz weit abgeschlagen.

    0
  3. Schön geschrieben. Auch ich sehe ein verpflichtendes Tragen des Helmes als problematisch, obwohl ich selbst bereits seit fast 30 Jahren „fast“ nur mit Helm fahre. Hierbei bezieht sich das „fast“ zum Beispiel auf die spontane Nutzung eines Leihrades im Rahmen des Bike-Sharings. Aus meiner Sicht ist die Geschwindigkeit aber nicht das Maß sich für oder gegen einen Helm zu entscheiden. Stürze ohne Fremdbeteiligung können auch auf dem kurzen Wg zum Bäcker passieren und die Fallhöhe vom Rad reicht durchaus um sich ungewollte Verletzungen zuzuziehen. Für mich ist das Rad ein Alltagsgefährt, das bedeutet ich bin eigentlich meist im urbanen Raum und nicht auf schmalen Trails im Wald oder Gebirge unterwegs. In den drei Jahrzehnten ist der Helm zur Gewohnheit geworden und ich sehe das wie den Sicherheitsgurt im Auto. Wenn ich versehentlich „oben ohne „ losfahre, dann fehlt irgendwie was (passiert eigentlich nur im Winter wegen der Mütze). Allen sichere und gute Fahrt.

    0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.