Transcimbrica 2020: Tag 1 – Trail Magic

Checkpoint 1 – Brücke am Nord-Ostsee-Kanal morgens um 08:00 Uhr…

Es ist Samstag 00:01 Uhr und endlich geht es los! Nach der Ansprache der Organisatoren und der Verteilung der Schnaps-Flaschen schnappt sich jeder sein Rad und die Masse setzt sich in Bewegung.

Es dauerte nicht lange, bis sich das Feld auseinander gezogen hat und man nur nur noch vereinzelte Fahrer sieht. Ich habe keine Ahnung was mich erwartet und fahre einfach in die Nacht…

Mir war nach der Wartezeit einfach nur noch kalt und ich habe versucht mich schnell irgendwie warm zu bekommen. Bis auf die Regenjacke hatte ich bereits alles angezogen und es dauert eine „Ewigkeit“, bis mein Körper auch nur ansatzweise so etwas wie „wärme“ empfindet.

Bereits in der ersten 3/4 Stunde habe ich drei Fahrer am Straßenrand gesehen, die bereits Probleme mit platten Reifen hatten. Ich dachte mir nur „gut, dass ich die Marathon GT Tour aufgezogen habe“. Zu Reifenproblemen hätte ich so früh echt gar keinen Bock.

Während wir in einer größeren Gruppe über einen Gravelpfad fahren, wundere ich mich, warum ich so wenig „Licht“ nach vorne habe. Irgendetwas stimmt nicht, aber ohne Licht kann ich so nicht weiterfahren. Ich entscheide mich anzuhalten und nachzusehen, warum das so ist.

Das Problem war schnell gefunden. In der Accessory-Pack-Tasche habe ich die schwere Nikon mit verpackt. Das war kein Problem, solange im Handlebar-Pack die Thermojacke noch drin war. Jetzt hatte ich die aber rausgenommen und so verdeckte mir die angeschnallt Tasche das Licht. Die Nikon musste also umgepackt werden und die Lenkertaschen „höher“ geschnallt. Alles keine große Aktion und ich bin nach einigen Minuten fertig.

Ich fahre weiter, endlich habe ich „richtiges“ Licht und kann den Track vor mir auch gut sehen. Nach einigen Minuten fahre ich wieder auf zwei weitere Teilnehmer auf und vorbei, bis ich nach weiteren ca. 20 Minuten wieder zwei Teilnehmer am Wegesrand stehen sehe. Sie benötigen einen 10er Imbus, weil die linke Kurbel sich gelöst hat. Ich schaue in meine Werkzeug-Box und hole mein Imbus-Tool heraus. Dort ist für jede Größe etwas dabei. Während die beiden versuchen das Problem zu lösen, esse ich nach ca. 45 Minuten meinen ersten Müsliriegel. Schnell stellt sich leider heraus, dass auch an meinem Inbus-Tool die benötigte Größe nicht mit dabei ist (geht wohl nur bis Größe 8) und ich damit auch nicht helfen kann. Ich packe mein Werkzeug wieder ein, wünsche noch viel Erfolg bei der Lösung des Problems und mache mich dann auch wieder auf.

Seit diesem Zeitpunkt hatte ich das Gefühl bereits der „Letzte“ zu sein. Egal auf welche Feldwege ich gekommen bin, ich habe weder vor mir Rücklichter noch hinter mir Scheinwerfer sehen können. Mittlerweile ist es zwei Uhr, eigentlich läuft alles sehr gut. Mein Rad läuft super, ich habe keine Probleme, aber mir ist noch immer kalt, was sich noch lange Zeit nicht ändern sollte. Ich trete und trete … einmal frage ich mich, was ich um 2:30 Uhr hier überhaupt mache? Doch diesen Gedanken verwerfe ich sehr schnell wieder. In der Nacht zu fahren ist schon sehr einsam.

Es ist eine wunderschöne (fast) Vollmondnacht, der den Weg bereits sehr hell erleuchtet. Um kurz nach 3 Uhr und knapp 50 Kilometern habe ich einen Tiefpunkt. Eigentlich möchte ich gern schlafen, aber ein kurzer „Nap“ soll reichen. Plötzlich steht am Wegesrand ein kleines Wartehäuschen aus Holz. Ich halte an, setze mich auf die Bank, mache die Beine lang und schließe die Augen.

Nach wenigen Minuten höre ich ein Geräusch und öffne die Augen. Ich sehe zwei weitere Teilnehmer an mir vorbeiziehen. Ich schließe die Augen wieder und weitere Minuten später werde ich wieder wach. Da es mir zu kalt wird, hier einfach zu rumzusitzen, entscheide ich mich wieder in Bewegung zu setzen. Ich esse schnell eines der Nutella-Brote und schwinge mich wieder aufs Rad. Die Hälfte des Weges zum ersten Checkpoint – dem Nord-Ostsee-Kanal (NOK) – habe ich geschafft, also weiter kurbeln!

In den nächsten Stunden kurble ich mein Programm herunter, sehe aber zumindest keine fahrenden Teilnehmer mehr. Ab und zu sieht man jemanden im Schlafsack beispielsweise in einem Bushaltestellenhäuschen schlafen. Ich habe mir aber vorgenommen, ich will mindestens bis zum NOK kommen und dann weitersehen, also trete ich immer weiter.

Mittlerweile ist es 5:45 Uhr, als es leicht bergauf geht und ich plötzlich rote Rücklichter sehe, die sich irgendwie „komisch bewegen“. Ich komme immer näher lerne echte Trail Magic kennen!

Da stehen auf dem Parkplatz am NOK zwei Personen, die seit Stunden auf die Teilnehmer der Transcimbrica warten, um sie mit Kaffee, Pizzabrötchen und Süßigkeiten zu verwöhnen! Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, was für ein „Licht am Ende des Tunnels“ dies gewesen ist. Nachdem ich den ersten Kaffee heruntergestürzt habe, frage ich, ob ich eventuell noch einen zweiten kriegen kann und man schenkt mir nach. Nach dem Kaffee esse ich noch zwei Pizzabrötchen und man bietet mir noch Süßigkeiten an, ich darf mich bedienen.

Ihr Zwei von der Trail Magic wart einfach super, vielen Dank und das muss einfach gesagt werden! Kurz bevor ist weiter will, kommen noch zwei Radler die Steigung hoch und sind die letzten beiden, die von der Trail Magic überrascht werden heute – ich sage hier noch einmal vielen Dank!

Es ist mittlerweile fast 6 Uhr. Mir ist richtig sch… kalt! Wir fahren zu dritt zum Anfang der Brücke über den NOK und machen die Checkpoint-Fotos.

Mein Handy ist dabei mehrfach abgestürzt, weil es mit der Kälte nicht wirklich klarkommt. Wie auf dem Bild zu sehen, kommt auch mein Körper nicht wirklich klar damit, ich brauche Wärme! Deswegen entscheide ich mich, irgendwo für 1 bis 2 Stunden in den Schlafsack zu verschwinden.

In einem Gespräch mit den Beiden von der Trail Magic habe ich erfahren, dass hier neben dem Parkplatz eine Wetterschutzhütte sein soll. Es ist in der Dunkelheit gar nicht so einfach den Weg zu finden. Ich stelle das Rad in die Hütte und lege meinen Schlafsack auf den Holztisch.

Ich ziehe die Schuhe aus, stelle sie vor den Tisch und verschwinde mit der Technik im Schlafsack. Den Wecker stelle ich auf 07:30 Uhr, denn ich will hier nicht lange schlafen, aber ich will warm werden.

Geschlafen habe ich dennoch und es hat schon ziemlich gut getan. Als ich die Augen aufmache und aus dem Schlafsack schaue, ist es leicht diesig und ziemlich frisch draußen. Im Schlafsack ist es mittlerweile angenehm warm geworden und ich will fast gar nicht raus. Da die Hütte rundherum offen war und auf dem Tisch quasi der Wind durchpfeift, ist die Entscheidung schnell getroffen.

Raus aus dem Schlafsack, alles verstaut und weiter geht’s … endlich bei Tageslicht und der Körper grundsätzlich nicht mehr kalt.

Die Aussicht auf die Brücke ist sehr gut, also schnell noch ein neues Checkpoint-Foto gemacht und dann geht es um 08:15 Uhr weiter auf den Track…

Der zweite Teil des Tages soll über 130 Kilometer bis zur dänischen Grenze gehen. Es ist kurz nach 08:00 Uhr, also mehr als genug Zeit! Jetzt erst einmal schauen, wo ich ein Frühstück bekomme. Dafür muss ich gar nicht lange fahren. Bereits eine Stunde später rolle ich durch Tellingstedt und komme an einer Bäckerei vorbei.

Vor der Bäckerei steht bereits jemand und genießt seinen Kaffee. Ich betrete die warme Bäckerei und bestelle ein Croissant, einen Amerikaner und einen Kaffee.

Nachdem ich den ersten Kaffee runter habe, stelle ich mein Rad von der Straße vor die Bäckerei, gehe wieder in die Bäckerei und bestelle einen 2. Kaffee … so viel Zeit muss sein!

Voll durchgewärmt und mit zwei Kaffee intus geht es gut gelaunt weiter! Das Wetter ist trocken, es reißt langsam auf und ich fahre noch eine Stunde, bis ich mich entscheide noch einmal anzuhalten und zu Hause anzurufen. Einmal bescheid sagen, dass es mir gut geht, was bisher passiert ist und 15 Minuten später geht es gegen 10:30 Uhr auch schon weiter.

Den ganzen Tag über passiert eigentlich nichts weiter Besonderes. Es ist gutes Wetter, aber es ist dennoch frisch weiterhin. Ich genieße die Freiheit und fahre meinen Weg, bis ich um 17:04 die dänische Grenze erreiche.

Nach knapp über 230 Kilometern am ersten Tage habe ich für heute eigentlich genug. Ich fasse einen Plan. Ich suche jetzt eine Pizzeria und hau mich dann in einen Shelter! Klingt gut denke ich und fange mit der Suche nach der Pizzeria an…

Ich fahre also weiter bis Højer, finde die Pizzeria und gönne mir eine Pizza-Hawaii und zwei Cola. Es gibt eine Toilette, auch wenn man die Tür nicht abschließen kann. Mir egal, was raus muss… nach dem Essen nehme ich noch ein Tuborg mit für den Shelter und mache mich auf die Suche.

Ich öffne die Shelter-App und finde auch den Weg zum Shelter-Platz recht schnell, dort steht aber nur ein rundherum offenes Holzdach? Das kann doch nicht der Shelter sein? Also schaue ich noch einmal auf die App, sehe einen Fußweg und, dass ich eigentlich noch einige Meter weg bin. Also das Rad weiter geschoben und nach nur wenigen Metern finde ich die eigentlichen Shelter gut „versteckt“.

Das sollte mein Schlafplatz für die 1. Nacht werden. Ich packe Isomatte und Schlafsack aus, nehme meine Technik wieder mit in den Schlafsack und gönne mir das Bier … nun, bis zur Hälfte. Ich schlafe kurz nach 19:00 Uhr ein und werde gegen 22:00 Uhr noch einmal wach und bekomme mit, wie noch ein Teilnehmer der Transcimbrica den zweiten Shelter belegt.

Ich grüße kurz, er hat es wohl nicht gehört oder ich seinen Gruß nicht, wie auch immer. Ich schlafe weiter, der Wecker wird gegen 02:00 Uhr gehen, denn um 03:00 Uhr will ich wieder im Sattel sitzen!

Tag 1 – Etappe 2:

Tag 1 – Etappe 1:

Weiter geht es im nächsten Tourbericht!

5+

Autor: Stefan

Ich befinde mich auf keinem Kreuzzug! Für mehr Respekt und Miteinander!

4 Gedanken zu „Transcimbrica 2020: Tag 1 – Trail Magic“

  1. Moin,
    gern geschehen. Die 2 vom NOK sind übrigens Petra und Carsten. Wir sind sehr happy, dass alles so spontan hingehauen hat, und das noch vor der Totalabriegelung stattfinden durfte ? Freut uns sehr, dass wir einigen helfen konnten, wissen wir doch um die Versorgungsnotlage nachts im Winter in SH. Schön dass du die Hütte noch gefunden hast.

    1+
    1. Über vier Stunden dort stehen und auch auf die Letzten gewartet, in der Kälte … das kann man gar nicht oft genug erwähnen – vielen Dank Petra und Carsten! ??

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