Transcimbrica 2020: Tag 2 – Wetter, Wetter, Wetter…

Skulpturengruppe „Der Mensch am Meer“ in Esbjerg

Wie wird das Wetter, war mein letzter Gedanke, bevor ich am Vorabend den Schlafsack geschlossen habe. Während ich also das Bier getrunken habe und das Wetter checke, ist bereits abzusehen, dass ab 10:00 Uhr oder 11:00 Uhr der Regen einsetzen soll.

Deswegen hatten ich vor, vor dem Regen so viele Kilometer wie möglich zu fahren und hatte den Wecker auf 2 Uhr gestellt. Nun, es ist 02:00 Uhr und ich schäle mich aus dem Schlafsack, packe alles ein und mache mich um kurz nach 3 Uhr wieder auf den Weg.

Der Himmel ist zugezogen und es ist bereits jetzt sehr windig. Es ist allerdings nicht mit dem zu Vergleichen, was uns im Verlauf des Tages noch erreichen sollte. Der Wind kommt aus südlicher Richtung und pfeift bereits ganz ordentlich. Das ist angenehm, wenn man ihn im Rücken hat, aber es gibt auch immer wieder andere Teilabschnitte, die dann so gar keinen Spaß machen. Die ersten Kilometer gehen auf gutem Asphalt und Rückenwind mit gut 30 km/h ohne große Anstrengung.

Das sollte aber auch schnell vorbei sein, denn vom Asphalt geht es dann auch wieder auf Gravelabschnitte, die mit Rückenwind wenig Spaß machen bzw. bei denen, wo der Wind von der Seite kommt. Zum Glück ist der Gravelabschnitt begrenzt und es geht dann auf Asphalt weiter.

Gegen 05:00 Uhr habe ich Hunger und ich versuche eine windstille Ecke zu finden, um ein Nutella-Brot zu essen. Nach dem ersten habe ich noch immer Hunger und esse das letzte Brot gleich hinterher. Nun denn, den Müll in der Tasche verstaut und weiter geht es gegen den Wind…

Um 07:01 Uhr stehe ich (glaube ich) irgendwo auf irgendeinem Feld und bin echt zufrieden, bereits 74 Kilometer geschafft zu haben.

Ich rechne das ganze hoch und denke, wenn ich das so weiter schaffe, dann habe ich um 10 Uhr die ersten 130 Kilometer geschafft. Da hat sich das frühe aufstehen gelohnt. Das motiviert mich ungemein und es geht weiter. Ich könnte einen Kaffee brauchen, denke ich noch so bei mir, als plötzlich ein Ort vor mir auftaucht.

Es ist Esbjerg und kommt genau zur richtigen Zeit. Ich fahre erst an der Tankstelle vorbei, in der Hoffnung eine schöne Bäckerei zu finden. Nachdem ich gut 100 Meter entfernt bin, erinnere ich mich daran, dass die Tankstellen saubere sanitäre Anlagen haben, also zurück und … naja, erst einmal Frühstück!

Nach dem ersten Frühstück besuche ich angesprochene sanitäre Anlagen. Ich bitte den Mitarbeiter der Tankstelle ab und zu ein Auge auf mein Rad zu werfen. Er wirft mir „No problem“ zu und ich verschwinde auf der Toilette. Erst einmal was los werden, waschen, Zähne putzen … ist hier alles sehr angenehm, da sauber.

So „frisch“ wieder da entscheide ich mich kurzfristig für ein zweites Frühstück!

Auf die „halbe Stunde“ wird es nicht ankommen, denke ich so bei mir und setze mich mit dem Kaffee und dem Donut wieder an meinen Platz am Fenster mit Blick auf mein Rad.

Da kommt Andreas W. an die Tankstelle, den ich von Twitter bereits kenne. Wir wechseln einige Worte und er setzt sich mit an die Tischgruppe. Wir unterhalten uns über die Tour und das bevorstehende Wetter. Kurz nach 08:00 Uhr denke ich mir, dass ich jetzt lang genug hier bin und es Zeit wird weiterzuziehen.

Ich frage mich die ganze Zeit, wann diese coolen Skulpturen kommen werden, oder ob ich diese bereits verpasst habe? Nun, ich werde es ja sehen (oder nicht) und fahre weiter meinen Weg. Doch schon einige Minuten später – gegen 08:39 Uhr – sehe ich die Skulpturengruppe zu meiner linken Seite. Ganz klar, da muss ich anhalten!

Also schnell einige Fotos gemacht mit Handy und Kamera und weiter geht’s mit Rückenwind! Es ist mittlerweile kurz vor 09:00 Uhr und noch immer trocken. Auf Grund des ausgedehnten Frühstücks wird das nichts mehr mit 10:00 Uhr für die 130 Kilometer, aber alles ist gut. Ob es jetzt 11:00 Uhr oder 12:00 Uhr wird ist eigentlich egal, denn ich habe ja Zeit.

Es sollten die letzten Fotos für heute sein, denn das Wetter wird schlechter und heftiger. Während der nach Esbjerg eingesetzte Dauerregen nur unangenehm ist, sind die Sturmböen bis 100 km/h je nach Ort und Begebenheit gefährlich. Auf einer einsamen Landstraße mit wenig Verkehr war es nur unangenehm und heftig, auf der Straße ohne Fahrradweg, viel Autoverkehr und Abgrund von einigen Metern neben der Fahrbahn, war es mir fast schon zu gefährlich, aber was sollte man machen? Je schneller man den Abschnitt hinter sich hat, um so besser, also Augen zu und durch.

Dieser Abschnitt bei Nymindegab ist zum Glück nur knapp einen halben Kilometer lang, bevor ein 70 Grad Knick mich und das Rad in den Wind lenkt und ich mit Rückenwind auf der unendlichen langen Straße zum Teil bis zu 40 km/h erreiche. Das war schon irre. Es regent noch immer aber mit dem Rückenwind ist das fast egal.

Bei Søndervig sehe ich gegen 12:45 Uhr einige Geschäfte und beschließe etwas zu Essen zu kaufen. Als ich vor dem Geschäft stehe sehe ich einen weiteren Teilnehmer, der mit seinem Rad einen guten „Unterschlupf“ gefunden hat. Es ist Fabian. Er ist so nett auf mein Rad einen Blick zu werfen und ich gehe einkaufen. Milchbrötchen und zwei Flaschen Cola.

Als ich zum Rad zurück komme, ist Fabian abfahrbereit und nimmt den Weg wieder auf. Ich danke kurz und wünsche weiter gute Fahrt, will jetzt aber erst einmal im trocknen zwei Milchbrötchen essen. Wie an jedem größeren Pausenpunkt, sammeln ich all meinen Müll aus meinen Taschen und werfe ihn in die Mülleimer, bevor es weitergeht.

Auch wenn gut 90% des Tages der Wind im Rücken stand und zu einem erstklassigen Durchschnitt von über 25 km/h führte, haben mich gerade die Abschnitte, wo man den Wind von der Seite oder auch von vorne abbekommen hat, sehr viel Kraft gekostet und ich merke mein rechtes Knie.

Gegen 17:30 Uhr fahre ich durch Humlum und halte an einem Supermarkt an. Es sind eigentlich nur noch 5 Kilometer mit zum nächsten Checkpoint, aber ich habe einfach keinen Bock mehr für heute, immerhin sitze ich seit 03:00 Uhr auf dem Rad. Nur wenige Minuten später biegen plötzlich Ole, Carola und Joas um die Ecke.

Während Ole und Carola noch weiterfahren und sich einen Shelter suchen wollen, will Joas mit seinem Brompton sich mir anschließen. Sein Apple-Ladekabel ist defekt und er muss sein iPhone aufladen können. Nachdem ich „den ganzen Tag“ (mimimi) im Regen verbracht habe, will ich meine Klamotten trocknen. Ich schaue auf meine Karte und sehe in 1,8 Kilometern das Humlum B&B. Ich rufe im B&B an und frage, ob sie noch freie Zimmer haben und will mich auf den Weg machen, als Joas entscheidet, sich mir anzuschließen und ebenfalls die Nacht im B&B verbringen will.

Wenn Ihr einmal durch Humlum kommen solltet, das Humlum B&B kann ich nur empfehlen. Es ist sauber, warm und wirklich sehr freundliche Gastgeber! Bevor ich jedoch auf mein Zimmer komme, ein weiteres Drama.

Das B&B nimmt ausschließlich Bargeld und ich habe eigentlich keinen Bock, wieder auf das Rad zu steigen und Geld zu holen. Da stehen wir also im Eingangsbereich, ich ohne Bargeld. Plötzlich bietet mir der freundliche Mann an, mich mit dem Auto zum Geldautomaten zu fahren.

Ich bin gerettet. Wir fahren zum Automaten und ich will Geld abheben. Die Nacht soll 65 Euro kosten, also hole ich 100 aus dem Automaten. Da wundere ich mich, wie die 100 Euro (?) aussehen? Ja doof, es sind 100 DKK. Ich gehe also zum Auto und frage, was die Übernachtung in DKK kostet und muss noch 400 DKK holen.

5 Minuten später sind wir dann wieder im B&B und ich kann mit der Reinigung und Trocknung meiner Sachen beginnen.

Joas hat in der Zwischenzeit Kaffee gekocht und wir unterhalten uns noch bis 21:00 Uhr miteinander, bis sein Handy mit meinem Kabel aufgeladen ist. In der Zwischenzeit habe ich meine schmutzigen Sachen in der Dusche abgespült und die nassen Sachen zum Trocken aufgehängt.

Nachdem das Equipment versorgt ist, springe ich selber unter die Dusche. Rein olfaktorisch habe ich es bitter nötig. Wenn man sich selber nicht mehr riechen kann, wird es Zeit! Nachdem ich geduscht habe wasche ich auch noch die Sitzpolster der Radhosen und hänge diese ebenfalls zum Trocken auf.

Heute merke ich mein rechtes Knie schon richtig gut. Ich habe die Hoffnung, dass es über Nacht wieder besser wird. Immerhin habe ich ein warmes Bett und muss mich am Morgen nicht aus dem Schlafsack schälen. Ich werde bis 7 Uhr schlafen können und werde um 08:00 Uhr ein Frühstück haben … eine schöne Aussicht!

Gegen 21.30 Uhr rufe ich wieder zu Hause an, gebe den täglichen Status durch und kurz nach 22:00 Uhr gehen dann die Lichter aus – ich will nur noch schlafen…

Tag 2 – Etappe 4:

Tag 2 – Etappe 3:

Weiter geht es im nächsten Tourbericht!

3+

Autor: Stefan

Ich befinde mich auf keinem Kreuzzug! Für mehr Respekt und Miteinander!

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