Transcimbrica 2020: Tag 3 – Ich habe den Blues…

Am Checkpoint 2 – Oddesund-Brücke

Es ist 07:00 Uhr, als der Wecker mich aus dem Schlaf holt. Ich habe sehr gut und vor allen durchgehend geschlafen. Ich fühle mich gut, was allerdings nur so lange anhält, bis ich aus dem Bett aussteigen will – das rechte Knie.

Zu meiner Verwunderung ist Joas noch da, der eigentlich früher weg wollte. Nun denn, wir wechseln noch einige Worte und wünschen uns noch gegenseitig gute Fahrt, bevor er sich auf den Weg zu seinem Rad und ich mich auf ins Bad mache. Es sollte kein einfacher Tag werden…

Der Tag startet mit einem mächtigen Frühstück!

Welches ich – bis auf das Hafermüsli – vollständig inhaliere!

Im Detail bedeutet das: 3 Tassen Kaffee mit Milch, 1 Kännchen mit O-Saft, das Kännchen mit Milch, die Schälchen mit Marmelade, 3 Brötchen und das Smørrebrød … doch ich könnte nicht sagen, dass ich hungrig das Haus verlassen hätte… *g*

Es sind nur wenige Kilometer bis zur Oddesund-Brücke, den 3. Checkpoint der Reise und dem eigentlichen Ende der gestrigen Etappe. Also packe ich meine Sachen, belade das Rad und dann soll es weitergehen.

Ich brauche nicht viele Meter, um zu merken, dass das heute ein anstrengender Tag wird, denn das rechte Knie will nicht so richtig mitspielen. Der Checkpoint ist schnell erreicht, das Foto gemacht, in die Gruppe gepostet und dann wird der Track gewechselt – Etappe 5 hat knapp 180 Kilometer…

Nachdem ich die letzten beiden Tage jeweils gut 230 Kilometer gefahren bin, sollten knapp 180 doch kein Problem sein … denkt man sich, aber ich habe einen Blues. Auf Grund des Knies komme ich nicht wirklich voran. Fahre ich untertourig, tut das Knie weh. Fahre ich hochtourig, geht es eigentlich, aber auf Grund des Streckenprofils wechseln sich gerade und hügelige Abschnitte ab und gerade bei den hügeligen Teilen, merke ich jeden Tritt.

Als wäre das mit dem Knie selber nicht schon doof genug, kommen noch spürbare Entwicklungen an der Achillessehne/Ferse dazu. Diese merke ich bei weitem nicht so schmerzhaft, sollen aber vermutlich hinten heraus das größere Problem werden, wie sich aber erst noch herausstellen soll.

Gegen 10:41 Uhr biege ich um eine Ecke und kann endlich einmal wieder „frei“ das Meer sehen!

Hier entscheide ich mich auch die Outdoor-Hose und Regenjacke wieder anzuziehen, allein auf Grund der Wärme. Ich stelle mich also einige Minuten hin und genieße das Meer. Ich ziehe dazu meine Fahrradbrille ab und lege diese auf den am Parkplatz befindlichen Steintisch. Ja, da liegt sie jetzt vermutlich noch immer, denn es fällt mir erst gut 10 Kilometer später auf, während einer Abfahrt, dass ich die Brille wohl vergessen habe.

Ganz toll, die Laune wird dadurch nicht wirklich besser. Erst die Schmerzen im rechten Bein und dann verliere ich Idiot auch noch meine Fahrradbrille. Wie dem auch sein, ich merke sehr schnell, dass es ohne Fahrradbrille bei den Abfahrten um die Augen sehr unangenehm wird. Dennoch ist es jetzt keine Option mehr, die ganzen Kilometer zurück zu fahren und die Rampen danach noch einmal hochzufahren … also kurble ich ohne weiter.

Das geht so bis kurz vor 14:00 Uhr, als da plötzlich Fri BikeShop auf dem Track auftaucht. Wie ich vom Inhaber erfahre, bin ich nicht der erste Kunde der Tour, der bei ihm einkehrt.

Ich frage ihn nach einer günstigen Brille und nehme die günstigste, die er da hat, die mir aber auch passt. Nun denn, das Thema Augen ist zumindest erst einmal vom Tisch. Soviel sei vorab bereits verraten, es sollte die teuerste Brille im Bereich Preis/Kilometer sein, die ich je hatte.

Wie dem Auch sei, die Laune ist etwas besser und als plötzlich nicht ganz eine Stunde später die Sonne durch die Wolken bricht, verschwindet auch der Blues nach und nach. Doch was hilft gegen den Blues neben der Sonne noch am meisten? Genau, Musik!

Eigentlich wollte ich die Powerbars für Navigation und Handy aufsparen, aber das brauche ich jetzt, also schließe ich den kleinen blauen Lautsprecher an und lasse meine Playlist ablaufen. Das Wetter, die Sonne, die Musik…

Lasst euch von der Sonne nicht blenden, kaum zieht man einen Handschuh aus oder aber den Schutz etwas vom Gesicht, wird es ganz schnell ganz frisch.

Die bessere Laune hilft auch, den Schmerz zu ignorieren. Er ist nicht heftig, aber er ist da bei jedem Tritt! Aber es hilft ja nichts, ich habe – wenn ich mich recht entsinne – jetzt erst gut 100 Kilometer auf dem Tacho und noch gut 80 vor mir, also immer weiter aufs Ziel zu…

Ich trete weiter und weiter. Nachdem ich letzte Nacht im B&B gewesen bin, will ich diese Nacht wieder in den Shelter und hatte mir eigentlich den bei Tornby ausgesucht. Mit einsetzender Dunkelheit wird es aber auch wieder kälter und kälter und und ich befinde mich gegen 19:30 Uhr erst um Saltum herum. Das sind bis Tornby noch gute 35 bis 40 Kilometer, also noch einmal min. 2 bis 3 Stunden inkl. kurzer Pausen. Das ist mir zu lange. Als ich durch Løkken komme sehe ich Geschäfte. Ich habe mir vor 2-3 Orten erst das Feierabendbier gekauft, aber das Abendessen vergessen. Also in Løkken schnell noch einmal angehalten und langes belegtes Baguette gekauft und in die Taschen verpackt.

Als ich weiterfahren will, sehe ich noch eine Gruppe von drei Teilnehmern, die sich ebenfalls für die Nacht eindecken, aber auch weiter in die Nacht fahren wollen. Ich habe genug, wünsche gute Weiterfahrt und ziehe meines Weges. Ich habe ein Bier, ein belegtes Baguette, fehlt nur noch der Shelter!

Ich trete wieder in der Dunkelheit. Es gibt bis auf Licht im Kreisverkehr keine Beleuchtung mehr und so ist es dunkel, sobald man aus dem Kreisverkehr raus ist. Ich wollte bis Tornby, aber auch das habe ich jetzt überworfen, ich will in meinen Schlafsack, also passe ich meinen Plan an und sehe im Roadbook, dass es hier in Løkken Shelter geben soll, die ich in der App aber nicht finden kann.

Also folge ich weiter dem Track, bis Nørre Rubjerg, wo gleich zwei Shelter stehen sollen, die ich Dank der App auch sehr schnell finde, wenn man einmal den Eingang zu den Fußwegen gefunden hat.

Es ist jetzt ca. 20:30 Uhr, als ich den Shelter erreiche. Ein riesen Platz, sogar mit Feuerstelle! Ok, brauche ich nicht, aber finde ich gut! Schnell die Kopflampe aufgezogen, den saubersten Shelter herausgesucht (hier stehen 3 Hütten) und dann angefangen auszupacken.

Um dem rechten Knie etwas gutes zu tun, packe ich einen Sohlenwärmer aus, der an der Luft sofort anfängt Wärme zu produzieren und lege mir die Sohle zwischen die Knie in den Schlafsack. Ich trinke mein Bier, esse das Baguette zur Hälfte auf (die andere Hälfte soll mein Frühstück werden) und checke noch ein wenig Social Media, bevor ich den Wecker auf 3:30 Uhr stelle und die Augen schließe.

Tag 3 – Etappe 5:

Weiter geht es im nächsten Tourbericht!

4+

Autor: Stefan

Ich befinde mich auf keinem Kreuzzug! Für mehr Respekt und Miteinander!

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