Transcimbrica 2020: Tag 4 – Grenen (Skagen)

Am Strand von Grenen am Kompass…

Der Wecker geht um 03:30 Uhr. Als ich die Augen öffne, höre ich ein leises knistern. Ich schaue aus dem Shelter und sehe einen ganz leichten Eisregen und ich beschließe noch eine halbe Stunde liegenzubleiben. Zum Glück hält der Eisregen nicht lange an und so fange ich kurz nach 04:00 Uhr an wieder alles einzupacken und den Rest Baguette aufzuessen.

Wie immer packe ich meinen Müll ebenfalls oben in meine Taschen, um den dann beim nächsten Mülleimer zu entsorgen. Bevor es auf die letzte Etappe geht, starte ich Etappe 5, um die letzten 10 Kilometer bis Rubjerg Knude zu kommen, einem weiteren Fotopoint.

Und egal wie ich es drehe und wende, es hätte keinen Unterschied gemacht, den Weg am Vorabend im dunklen oder heute in der Früh, wo es noch Stockfinster ist, zu gehen. Es machte einfach keinen Spaß mit dem schweren Rad den Weg zum Leuchtturm zu gehen. Schon gar nicht, wenn man nichts sieht. Durch das Schnauben in den Mundschutz beschlägt meine Brille, die ich beschließe auszuziehen und natürlich im Sand verliere.

Materialtechnisch war das ne teure Tour und meine Laune wurde dadurch auch nicht besser. 45 Minuten Suche im Sand vergebens … die Brille ist weg. Also nur schnell ein Foto gemacht, das Rad zurück zur Straße geschoben und dann fluchend weiter durch die Dämmerung…

75 Kilometer bis Skagen!

Die Schmerzen im Knie werden nicht besser und so langsam zeichnet sich ab, dass das die letzte Etappe sein wird. Wenn man das nach ca. 30 Kilometern realisiert, möchte man eigentlich nur noch heulen. Denn egal was ich heute noch schaffe, es werden die letzten Kilometer sein.

Das wird mir persönlich dann ganz eindeutig klar, als ich an fast allen Steigungen absteigen und das Rad schieben muss. Ich komme die Rampen im Tritt nicht mehr hoch. Nun, zum Glück sind es nur vier oder fünf Rampen, bis der Weg nach Skagen dann recht eben wird. Je nach Weg jedoch wieder mit starkem Wind.

Erst als ich nach ungefähr 59 Kilometern wieder links auf die Route nach Skagen einbiegen soll, kommt der Wind wieder von hinten.

Ich bin so überglücklich, ich habe es fast geschafft … und ja, auch 16 Kilometer können sehr lang werden!

Nachdem ich also das Foto gemacht und auf dem Weg nach Skagen bin, treffe ich eine Dreiergruppe mit Thees, Joas und noch einem Teilnehmer, die bereits auf dem Rückweg sind. Wir unterhalten uns kurz, wünschen uns alles Gute und dann geht es weiter … so kurz vor dem Ziel.

Auch wenn die Schmerzen mittlerweile sehr intensiv sind, genieße ich trotz des starken Windes die Gegend … so flach, so schön … gleich am Meer! In Skagen angekommen beherzige ich einen Tipp von Thees, mir erst ein B&B zu suchen, bevor ich das Foto am Ende der Route mache. Man wisse ja nie, wie viele Leute hinter einem sind und auch in Skagen bleiben wollen.

Also im Herzen Skagens erst das B&B gesucht, gebucht, die schweren Taschen abgestellt und dann mit dem Rad zum Ziel!

Es stürmt, es regnet wieder … ein Wetter zum davonfahren, aber es ist knapp 13:30 Uhr und für diesen Punkt habe ich die letzten drei Tage gekämpft! Ich kann es kaum fassen, als ich am Strand ankomme und sehen, dass man sein Rad noch gut 1,5 Kilometer am Strand bis zum richtigen Ziel schieben muss … also los!

Neben mir ist eine Besuchergruppe, die mit einem Tracktorbus (oder so) hergefahren wurde, eingetroffen. Ich habe zumindest dennoch die Möglichkeit, das Meer kurz einzufangen.

Ich mache auf dem Rückweg zum B&B noch einige Fotos in einer kurzen regenfreien Pause. Das Fahrrad macht nach dem Strandgang ganz üble Geräusche. Da ist wohl einiges an Sand zwischen die Scheibenbremsen gekommen.

Ich fahre so gut es geht zurück zum B&B wo die Heizung seit einer Stunde bollert. Das fühlt man, wenn man neben der Heizung sitzt … auf dem Boden. In ein Meter Entfernung ist es so kalt wie in einer Eishöhle. Ich hole also meinen Schlafsack heraus und lege diesen auf das Bett und lege mich hinein. In dem Augenblick, wo ich die Augen schließe, falle ich auch schon in einen 1,5 Stunden andauernden Schlaf…

Ich schrecke hoch, es ist noch hell draußen, schaue auf die Uhr und es ist kurz vor 16:00 Uhr. Ich steige aus dem Schlafsack und das Zimmer wird wirklich langsam warm. Ich entscheide mich zu duschen und meine Ersatzklamotten anzuziehen, denn heute Abend will ich richtig essen!

Gegen kurz nach 17:00 Uhr verlasse ich das B&B-Zimmer und schlendere durch Skagen auf der Suche nach Souvenirs. Mit Erschrecken stelle ich fest, dass die bereits jetzt anfangen die Bürgersteige hochzuklappen.

Ich finde dennoch einen Laden, der ein wenig Kleinkram hat, begebe mich dann zum Jakobs, wo ich mir einen Fru Winkelmann-Burger mit Pommes und ein großes Bier bestelle!

Während ich auf das Essen warte, lasse ich den Tag und die Tour gedanklich noch einmal Revue passieren. Und wieder das Gefühl heulen zu wollen, mit dem Gedanken, so weit gekommen zu sein und doch hier auch abbrechen zu müssen.

Selten lagen Freud und Leid bei mir so nah beieinander.

Nach dem Essen schlendere ich noch durch den Super Brugsen und mache mich dann wieder auf den Weg Richtung Zimmer. Ich schalte den TV und merke ganz genau, was ich die letzten Tage nicht vermisst habe.

Ich hole mein Rad ins Zimmer und spüle in der Dusche den ganzen Sand ab. Das Zimmer ist mittlerweile insgesamt recht warm geworden, den Schlafsack brauche ich nicht mehr. Während ich meine Dinge sortiere läuft „The Masked Singer“ und ich denke, ich habe zum letzten Mal eingeschaltet. Sorry, dat is alles nichts für mich…

Um 08:00 Uhr ist Frühstück und um 09:20 Uhr Abfahrt ab Skagen Station. Also stelle ich einen Wecker auf 07:00 Uhr, werfe noch einen Blick durch das Zimmerfenster und schließe dann die Augen…

Tag 4 – Etappe 6:

Weiter geht es im nächsten Tourbericht!

3+

Autor: Stefan

Ich befinde mich auf keinem Kreuzzug! Für mehr Respekt und Miteinander!

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